Kunststoffreparatur

Verbandszeug - Schnelle Hilfe für's Boot

Alt text Gerade bei älteren Gebrauchtbooten können Risse im Gelcoat, Abplatzungen und Schäden bis aufs Laminat eine Sanierung erforderlich machen. Hier kann Feuchtigkeit in das Laminat eindringen und im schlimmsten Fall ernsthafte Schäden anrichten. Die Reparatur erfolgt mit speziellen Laminierharzen, die auch als Teil kompletter Reparatursets im Bauhaus Nautic Fachcentrum erhältlich sind.

Epoxidharz

Epoxidharze sind in Sachen Haltbarkeit und Härte im Vergleich zu anderen Harzen nicht zu schlagen. Wichtig beim Arbeiten mit Epoxidharz ist eine Verarbeitungstemperatur von durchgängig wenigstens 15 Grad Celsius und ein sehr präzise einzuhaltendes Mischungsverhältnis laut Herstellervorgabe. Zudem sind Epoxidharze nicht UV-beständig und müssen daher zwingend später lackiert werden.

Tipp: Epoxidharze sind in jedem Fall die erste Wahl für alle Sanierungen im Unterwasserbereich, da sie keine Feuchtigkeit hindurch lassen.

Polyesterharz

Einfacher und unkomplizierter ist das Arbeiten mit Polyesterharzen, deren Eigenschaften aber auch nicht so hochwertig sind. Für das Verfüllen und Laminieren kleinerer Schadstellen im Überwasserbereich sind sie aber in der Regel absolut ausreichend. Durch ihr Lösungsmittel Styrol verbreiten sie aber während und z.T. auch noch nach der Verarbeitung
einen typischen und durchdringenden Geruch.

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Gelcoat

Gelcoat nennt man das an der Oberfläche der meisten Kunststoffboote sichtbare farbige oder weiße, glatte Material. Es ist die Versiegelung des Laminates, schützt vor eindringender Feuchtigkeit und bestimmt die Oberflächengüte. Ist es beschädigt, ist das darunter liegende Laminat schutzlos. Zudem sieht es nicht schön aus und sollte schon deshalb saniert werden.

Glasmatten

Hier wird in Glasgewebe oder Rowing-Matte, Glasgelege und den Standardmatten, das sind Glasmatten, die aus einer Vielzahl einzelner Fasern verpresst sind, unterschieden. Definiert wird eine Glasmatte über das Gewicht pro Quadratmeter. Je größer der Wert, desto stabiler die Matte. Für kleine Reparaturen wie beschrieben sind Glasgewebe von ca. 200 bis 400g/m2 ausreichend. Ggf. werden mehrere Lagen übereinander laminiert, bis die gewünschte Stärke erreicht ist. Lassen Sie sich hier eventuell beraten. Standardmatten sollten eher dünner, ca. 200g/m2, verwendet werden, dafür dann aber ggf. in mehreren Lagen, da sich die dicken Matten schwerer durchtränken lassen und die Verarbeitung gerade für den Laien so einfacher ist. Für das Laminieren mit Epoxidharzen dürfen nur Glasgewebe oder -gelege verwendet werden. Die Standardmatten sind mit einem Bindemittel verklebt, das sich erst durch das Lösungsmittel Styrol auflöst, das aber nur in Polyester- oder Vinylesterharzen enthalten ist.

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Tipp: Wer noch nie mit Harz und Glasmatte gearbeitet hat, sollte dies ruhig erst einmal auf einem stabilen Stück Pappkarton ausprobieren.

Vorgehensweise

Ist nur die Gelcoatschicht leicht beschädigt, reicht es ggf. aus, die Schadstelle mit einem Gelcoatspachtel aufzufüllen und sie anschließend zu verschleifen und zu polieren. Auch hier gibt es komplette Reparatursets der Materialhersteller. Oft ist es aber gerade an belasteten Stellen, an denen z.B. Beschläge befestigt waren, sinnvoll, durch eine neue Laminatlage wieder Stabilität in den Verbund zu bringen. Nach dem Säubern werden die Brüche und Risse großzügig flach auslaufend zu den Seiten bis auf das Laminat hin aufgeschliffen, damit die späteren Schäftungen auf großer Fläche halten und gute Übergänge geschaffen werden können. Das beschädigte Gelcoat muss komplett entfernt werden. Nach dem Schleifen müssen die zu laminierenden Stellen gründlich vom Staub gereinigt werden und trocken und fettfrei sein. Mit dem Pinsel oder der Laminierrolle wird nun eine dünne Schicht angemischtes Harz direkt auf die ausgeschliffene Stelle aufgetragen.

Tipp: Bei Stellen an senkrechten Flächen sollten die Bereiche darunter abgedeckt werden, damit diese nicht durch herunterlaufendes Harz verschmutzt werden.
Die vorher zugeschnittenen Glasmatten werden nun auf die vorgestrichenen Flächen gelegt, leicht angedrückt und so positioniert, dass neben der eigentlichen Beschädigung eine zwei bis drei Zentimeter breite Flankenhaftung in den ausgeschliffenen Übergang zum Original Gelcoat gewährleistet ist. Nun wird das Harz auf die Glasmatte aufgetragen, bis diese vollständig durchtränkt ist.

Tipp: Gehen Sie ruhig und ohne Hektik dabei vor, und lassen Sie dem Harz etwas Zeit, in die Glasmatte einzuziehen. Zuviel Harz im Laminat bringt an Stabilität gar nichts, erschwert aber das Nacharbeiten.
Anschließend vorsichtig mit dem Scheibenroller alle Lufteinschlüsse herausdrücken, ohne die Glasmatte dabei zu verschieben. Der Scheibenroller kann anschließend sofort, solange das Harz noch flüssig ist, mit Aceton oder auch mit Essigessenz und einem Pinsel wieder gereinigt werden. Abschließend wird eine Lage Abreißgewebe aufgebracht. Es ist im Fachhandel erhältlich. Das Abreißgewebe nimmt das überflüssige Harz und die beim Aushärten von Epoxidharzen auftretende sogenannte Aminröte auf – eine seifige Substanz aus dem Härter, die nach dem Aushärten und vor dem Schleifen durch Abwaschen entfernt werden sollte. Zudem werden die Übergänge durch die Verwendung des Abreißgewebes ebener und es hinterlässt nach dem Abreißen eine leicht angeraute Oberfläche. Wie der Name schon sagt: Das Gewebe kann nach dem vollständigen Aushärten des Harzes einfach abgerissen werden. Achtung: Trotzdem sollten die Stellen und Übergänge vor dem Spachteln vorsichtig, aber sorgfältig geschliffen werden, ohne das eben aufgebrachte Laminat wieder durchzuschleifen. Danach können die Reparaturstellen mit verspachtelt und verschliffen werden.

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Tipp: Idealerweise wird ein Epoxidharzlaminat anschließend mit einem Warmluftgebläse einige Zeit getempert – d.h. nachträglich erwärmt –, um ein späteres Nachsacken des Materials zu verhindern. Achtung: Das Tempern mit einer Temperatur von ca. 50 bis 60 Grad ist völlig ausreichend. Bei höheren Temperaturen kann ein darunter liegendes Polyesterlaminat Schaden nehmen und delaminieren.
Nachdem das Laminat ausgehärtet und verschliffen ist, kann die Stelle sauber verspachtelt werden. Auch hier gilt wieder: Für das Unterwasserschiff sollte am besten Epoxy-Spachtel verwendet werden.

Arbeitsschutz ist Gesundheitsschutz

Besonders wichtig beim Arbeiten mit Laminierharzen ist der Arbeitsschutz. Epoxidharze und ihre Härter können bei Hautkontakt zu ernsthaften Schädigungen des Körpergewebes führen! Die Härter haben oft eine ätzende Wirkung. Handschuhe, Schutzbrillen und Schutzanzüge sind unabdingbar bei der Verarbeitung von Epoxidharz. Hautkontakt sollte unbedingt vermieden werden. Der regelmäßige Kontakt mit Epoxidharzen und Härtern kann starke allergische Reaktionen hervorrufen. Eine Allergie gegen Epoxidharze ist in der Regel nicht heilbar. Bei der Verarbeitung von Polyesterharz sollte auf eine gut belüftete Umgebung und eine gasdichte Atemmaske geachtet werden. Auch hier gilt: Hautkontakt sollte tunlichst vermieden werden.

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Veröffentlicht am : 07.12.2014