Traditionsschifffahrt

Proteste gegen drohendes Aus der Traditionsschifffahrt

Der Hammer fliegt, Glas splittert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zerschlägt mit einem Riesenhammer ein Buddelschiff nach dem anderen. Die Schiffe zeigen Traditionssegler wie die „Roald Amundsen", die „Nobile" oder die „Petrine". Und Bundeskanzlerin Angela Merkel steht daneben und sieht zu...

Museumsschlepper "Titan" aus Lübeck Bj. 1910. Schickt das BMVI das ehrenamtlich in Fahrt gehaltene, technische Denkmal zur Abwracke?

Museumsschlepper "Titan" aus Lübeck Bj. 1910. Schickt das BMVI das ehrenamtlich in Fahrt gehaltene, technische Denkmal zur Abwracke?

Wenige Minuten zuvor wurden die zuschauenden Zeugen eines kollektiven Schiffesterbens als mehrere kostümierte Aktivisten in sich zusammensinken. Dieses Bild inszenierten Aktive aus der Traditionsschiffsszene direkt vor der Tür der Hamburger Handelskammer in Hamburg, als am Dienstag den 4. April die 10. Maritime Konferenz eröffnet wurde.

Appell an Angela Merkel

„Für uns ist das ein perfektes Bild dafür, was passieren wird, wenn die neue Schiffssicherheitsverordnung in Kraft tritt", sagt Lukas Schruhl von der Crew der Jonas von Friedrichstadt. „Das bedeutet innerhalb von wenigen Monaten das Ende der allermeisten Traditionsschiffe in Deutschland. Wir fordern Angela Merkel dringend auf, sich wie in den Koalitionsvereinbarungen festgelegt, für den Erhalt der Traditionsschifffahrt einzusetzen!"

„Seit zwei Jahren haben wir und viele andere Schiffe uns mit fachlichen Anregungen in den Prozess eingebracht. Umso entsetzter waren wir, dass im August ein aktueller Entwurf öffentlich wurde, der nichts von unseren Anregungen aufgenommen hat.", sagt Sören Vollmann von der "Lovis". „Für uns ist das ein enorm wichtiger Punkt: Wir als Ehrenamtliche, fühlen uns hintergangen, unser Engagement wird nicht wertgeschätzt."

Unterstützng der Küstenländer und Kommunen

Unterstützung kommt vom Bundesrat sowie den Länder- und Städteparlamenten. 2013 war der Konflikt um die Zukunft der Traditionsschiffe schon einmal hochgekocht und heftig in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Nachdem das Ziel, die Zukunft der Traditionsschifffahrt sicherzustellen, Eingang in die Koalitionsvereinbarungen gefunden hat, schien alles auf einem guten Weg. Offenbar ein Trugschluss: Der neue Entwurf lässt bei den Betreibern der Schiffe alle Alarmglocken läuten. Das sehen nach Angaben der Traditionsschiffer-Initiative auch das Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium so, die beim Verkehrsministerium ihre Bedenken angemeldet haben sollen. Die Parlamente der Küstenbundesländer, der Hansestadt Greifswald und auch der Bundesrat haben demnach das Verkehrsministerium ebenfalls dazu aufgefordert, den fehlenden Dialog mit den Schiffen nachzuholen. Bisher ohne Erfolg.

Ein großer Kritikpunkt an der Verordnung ist, dass sie sich sowohl bei technischen als auch bei Besatzungsfragen, an Standards der Berufsschifffahrt orientiert, die für die ehrenamtlich betriebenen Schiffe mit historischer Bausubstanz in der Summe nicht umsetzbar sind. Wenn jetzt nicht interveniert wird, ist der Verlust eines wertvollen Kulturguts das Ergebnis, so die Initiative der Traditionsschiffer.

Gespärchsbereitschaft nach Zusammenkunft zugesagt

Vertreter von Traditionsschiffen haben am Rande der maritimen Konferenz dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ihre Forderungen für eine Zukunft der Traditionsschiffahrt übergeben. Dobrindt hat gegenüber der Delegation aus Schiffsbetreibern und Vertretern des Dachverbandes der Traditionsschiffe eine Wiederaufnahme der Verhandlungen für eine neue Schiffssicherheitsverordnung zugesagt.

"Wir werden darauf achten, dass unsere Expertise nun endlich in den Entwicklungsprozess für eine neue Verordnung einbezogen wird und die Gespräche auch wirklich Ergebnisoffen gestartet werden." sagt Soeren Vollmann von der Lovis. "Eine Verordnung, die Schiffe aus mehr als zehn Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten Fahrenskonzepten unter einen Hut bringen will, braucht eine Abstimmung mit diesen."

Bisher hatte das Ministerium auf stumm geschaltet, zahlreiche Anfragen nach Fachgesprächen ignoriert. Ein bereits am 19.12.2016 an das Ministerium gereichter mehrseitiger Katalog mit aus fachlicher Sicht offenen Fragen an die neue Verordnung blieb bis heute, mehr als drei Monate später, unbeantwortet.

Dobrindt hat diesbezüglich nun einen klaren Kurswechsel zugesichert. Es sollen Gespräche nicht nur mit dem Dachverband, sondern mit allen Schiffen, die daran teilnehmen möchten, stattfinden.

"Wir sind froh über die jetzige Gesprächszusage. Denn wir erwarten von einer neuen Verordnung, in Zukunft nicht auf Ausnahmen oder individuelle Entscheidungen der Prüfbehörden angewiesen zu sein, sondern Rechtssicherheit zu haben." sagt Lukas Schruhl von der "Jonas" von Friedrichstadt. Ein klarer Apell an die Verantwortung der Politik für zivilgesellschftliches Engagement.

http://www.traditionsschiffe.info

http://www.gshw.de

http://www.agdm.de

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Veröffentlicht am : 05.04.2017